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Babyboom in Bayern

 

Babies

 

https://www.hebammenverband.de/mitgliederbereich/klinische-arbeit/

DHV_Hebammenbefragung_Nov 2015_final

 

Das liegt zum einen daran, dass die Kliniken durch ihre stark wirtschaftliche Ausrichtung die personelle Besetzung erst retrospektiv an die steigenden Geburtenzahlen anpassen. Zum anderen vertreiben die enge personelle Besetzung und die geringe Bezahlung die Hebammen aus den Kreißsälen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
Die Folge ist, dass die Gebärende ihre Hebamme mit mehreren Gebärenden teilen muss.
Ein weiterer Aspekt ist, dass immer mehr geburtshilfliche Abteilungen schließen, da sie durch geringe Geburtenzahlen nicht wirtschaftlich arbeiten können. In Bayern wurden sieben geburtshilfliche Abteilungen in den letzten drei Jahren geschlossen und weitere stehen an. Leider findet in diesen Fällen keine Vorausplanung statt, so dass die größeren Kliniken unvorbereitet vor den zunehmenden Geburten stehen.
Es stellt sich auch die Frage, ob es wirklich kostengünstiger ist, dass nun ein sehr großer Teil der Frauen in Perinatalzentren ihre Kinder zur Welt bringen, in denen ein sehr hoher und teurer medizinischer Standard für jede Gebärende bereit gestellt wird und häufig zum Einsatz kommt. Das hat zur Folge, dass auch eine gesunde Frau mit normaler Schwangerschaft oftmals durch unnötige Interventionen zum medizinischen Fall wird. Eine Lösung wäre, die gesunde Schwangere wieder in die Obhut der Hebamme zu geben. Sie ist ausgebildet, eine normale Geburt zu leiten und Regelwidrigkeiten zu erkennen. Bei nicht normal verlaufenden Geburten können wir uns glücklich schätzen, dass das medizinische Know How im Hintergrund bereit steht.
Problematisch ist auch, dass mit der Zentralisierung der Geburtshilfe in große Geburtszentren, die flächendeckende Versorgung vor allem in ländlichen Regionen, nicht mehr gewährleistet ist. Das hat zur Folge, dass Familien weite Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Dies bringt Risiken mit sich. Auch hier findet keine Planung statt, wie die Betreuung vor Ort und der geschützte Transport der Schwangeren in die nächst gelegene Geburtsklinik sichergestellt werden kann. Es müssen Konzepte erarbeitet werden, in der die Hebamme als Primärversorgerin eingeplant wird.
Besonders drastisch wirkt sich das auf die außerklinische Geburtshilfe aus. Die ist nur dann sicher, wenn eine Geburtshilfliche Abteilung in der Nähe ist, die für Notfällen bereit steht. Damit ist die Wahlfreiheit des Geburtsortes zunehmend nicht mehr gewährleistet.
Ja, wir freuen uns über den Babyboom in Bayern. Wir wünschen uns jedoch, dass Krankenkassen, Politik und die Gesellschaft erkennen, dass es nicht unwichtig ist, wie diese Kinder auf die Welt kommen. Neben dem medizinisch technischen Know How ist vor allem Zeit und Zuwendung durch die Hebamme unerlässlich, damit die Geburt ohne den Einsatz von unnötigen Interventionen verlaufen kann. Denn, auf den Anfang kommt es an.


Vergleich der Klinikgeburten in Bayern 2013 und 2016

pdf zum Download Umfrage Kliniken Bayern 2017