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Hebammenversorgung in Bayern - aktuelle Zahlen und Fakten

 


Astrid1An dieser Stelle möchten wir alle Leserinnen und Leser über die besonders kritische Lage der Geburtshilfe in Bayern informieren. In unserem Bundesland arbeiten Hebammen traditionell in freiberuflichen Systemen und das nicht nur in der außerklinischen Geburtshilfe. Häufig wird von Politikerinnen und Politikern das Argument angebracht, dass nur sehr wenige Geburten von Freiberuflerinnen begleitet werden. Freiberuflich begleitete Geburten werden mit außerklinischen Geburten gleichgesetzt, so geschehen durch einige Bundestagsabgeordnete bei Bundestagsdebatten. Auch in vielen Gesprächen mit Politikern müssen wir diesen Sachverhalt richtig stellen.


Hierzu einige Zahlen:

Um unsere Forderungen mit validen Zahlen untermauern zu können, haben wir im Juli 2014 eine Befragung der Klinikhebammen vorgenommen. Das Ergebnis war sehr eindrücklich.


Bayernweit gibt es 116 Kliniken mit geburtshilflicher Abteilung

  • 81 geburtshilfliche Abteilungen mit Beleghebammen 57.321 Geburten
  • 33 geburtshilfliche Abteilungen mit angestellten Hebammen 45.044 Geburten
  • 1 Abteilung arbeitet im Mischsystem (Ingolstadt) 2.127 Geburten
  • Außerklinische Geburten 2.200 Geburten

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Geburten in Bayern 2013 insgesamt 106.692 Geburten


Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte der Geburten von freiberuflichen Hebammen begleitet werden, die für ihre Berufsausübung eine Berufshaftpflichtversicherung benötigen.

 

Kliniken in Bayern 2013 und ihre Differenzierung nach Geburtenzahl

  • 38 Kliniken unter 500 Geburten 13.375 Geburten
  • 42 Kliniken mit 500 - 1.000 Geburten 26.099 Geburten
  • 23 Kliniken mit 1.000 - 2.000 Geburten 32.290 Geburten
  • 13 Kliniken über 2.000 Geburten 32.728 Geburten

In Bayern findet immer noch ein großer Anteil der Geburten in kleinen geburtshilflichen Abteilungen statt. Eine weitere Zentralisierung der Geburtshilfe in große Kliniken wäre für die großen Kliniken nicht zu leisten. Die räumlichen und personellen Kapazitäten sind schon heute vielfach erschöpft. Dies wurde von nahezu allen Hebammen bei der Befragung berichtet.

 

Weitere Zahlen und Fakten aus der Klinikbefragung finden Sie HIER

 

Haftpflicht für freiberufliche Hebammen
Freiberufliche Hebammen sind laut Berufsordnung verpflichtet, sich in ausreichendem Umfang Haftpflicht zu versichern.


In den letzten Jahren sind die Prämien von 1999 357,90 DM auf 2014 5090,40€ gestiegen. Ab Juli 2016 werden es 6843€ sein. Der Grund dafür sind nicht steigende Fälle von Haftpflichtansprüchen, sondern die Höhe der Schadenssummen. Das hat zwei Gründe. Zum einen ist die medizinische Versorgung der Kinder, die bei der Geburt zu Schaden gekommen sind, besser, so dass die Lebenserwartung gestiegen ist. Zum anderen machen die Sozialversicherungsträger alle Kosten bei der Haftpflichtversicherung geltend, wenn ein Verschulden durch die Hebamme erwiesen ist. Ein weiteres Problem ist, dass sich durch das unkalkulierbare Risiko, das die Geburtshilfe mit sich bringt, das Angebot auf dem Versicherungsmarkt stark minimiert hat. Die verbliebenen Versicherungsgesellschaften kündigten in diesem Jahr schließlich an, zum Juli 2016 keine Haftpflichtversicherung mehr für Hebammen anzubieten.


Das Versorgungsstrukturgesetz verpflichtet seit 2012 den GKV Spitzenverband die Kosten der Hebammen in der Hebammenvergütung zu berücksichtigen. Dies ist bei den letzten beiden Prämiensteigerungen auch geschehen.


Leider war dies keine durchgreifende Lösung. Nur wenn eine Hebamme in Vollzeit tätig ist, kann sie über die Hebammenvergütung die Kosten der Steigerung im Laufe des Jahres erstattet bekommen. Hebammen haben aber oft Familien und arbeiten sehr häufig nur in Teilzeit. Diese geben zunehmend ihren Beruf auf, weil sie neben hohen Beiträgen zur Sozialversicherung auch noch unverhältnismäßig bei der Haftpflichtversicherung zur Kasse gebeten werden. Sie entscheiden sich, nicht nur für ihre Versicherungen zu arbeiten und widmen ihre Zeit ihren Familien oder suchen sich bessere Verdienstmöglichkeiten.


Um die Hebammen, die in Teilzeit arbeiten zu unterstützen, wurde der Sicherstellungszuschlag eingerichtet. Er ermöglicht Hebammen Zuschüsse zur Haftpflichtversicherung zu beantragen. Die genaue Ausgestaltung des Sicherheitszuschlages muss mit den Krankenkassen verhandelt werden.


Es bleibt der unhaltbarer Zustand, dass die Hebamme mit ihrem Privatvermögen haften muss, wenn die Deckungssumme ihrer Haftpflichtversicherung aufgebraucht ist.


Hebammenmangel in Bayern


Das hat in Bayern vielerorts zu Versorgungsengpässen geführt. Der BHLV bekommt täglich Anfragen von Eltern, die verzweifelt nach einer Hebamme suchen. Kliniken rufen an und suchen händeringend nach Hebammen, weil sie ihre Stellen nicht besetzen können.


Die Auswirkungen sind katastrophal:


Wehende Frauen werden von einer Klinik in die Nächste geschickt.


Frauen unter der Geburt bekommen Kaiserschnitte, weil keine Hebamme da ist, die sie betreut.


Frauen müssen mancherorts durchschnittlich 15 Hebammen anrufen, um eine Hebamme mit freien Kapazitäten zu finden. Einige finden auch keine und stehen im Wochenbett ohne Hebammenbegleitung da.


Wie sähe Deutschland ohne Hebammen aus?


Der Zusammenbruch des Versicherungsmarktes kommt einem Berufsverbot für die freiberufliche Hebamme gleich, da die Haftpflichtversicherung richtigerweise verpflichtend ist. Und das bedeutet in Bayern den kompletten Zusammenbruch der Versorgung mit Hebammenhilfe.


Damit wird es nicht nur die geburtshilfliche Arbeit der Hebamme nicht mehr geben, sondern alle Angebote der Hebamme, die sich rund um die Geburt bewährt haben und unverzichtbare präventive Gesundheitsleistungen darstellen.

 

  • Schwangerenbegleitung durch die Hebamme
  • Geburtsvorbereitung
  • Wochenbettbetreuung
  • Begleitung der Eltern im Prozess des Elternwerdens

Lösungsansätze des DHV:


Der DHV sieht zwei mögliche Lösungen:

 

  1. Einen steuerfinanzierten Haftungsfond. In diesem Fall haftet die Hebamme nur bis zu einer bestimmten Deckungssumme. Geht der Schaden über diese Summe hinaus, greift der Fond.
  2. Eine genossenschaftliche Haftpflichtversicherung

 

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Seite des DHV www.hebammenverband.de unter Stellungnahmen.


Was tut der BHLV?


Durch die Protestaktionen der vergangenen Jahre und die Initiative der Eltern ist es gelungen, dass unsere Sorgen gehört werden und der Hebammenverband mit den Entscheidungsträgern im direkten Gespräch ist.


Der BHLV mit unserer Gesundheitsministerin Huml und vielen Landtagsabgeordneten. Wir konnten den zuständigen Politikern die besondere Situation in Bayern klar machen und sie auf ihre große Verantwortung diesbezüglich aufmerksam machen. Wir erwarten von der Bayerischen Regierung, dass sie sich in besonderer Weise bei Gesundheitsminister Gröhe für eine tragfähige Lösung der Haftpflichtproblematik einsetzt. Ministerin Huml sagte uns diesbezüglich ihre Unterstützung zu. Wir werden mit ihr in Kontakt bleiben, und sie gegebenenfalls daran erinnern.


Wir sind intensiv mit der Presse im Gespräch. Von Seiten der Presse erhalten wir gute Unterstützung. Es sind bereits über 1300 Artikel in den Printmedien zur Thematik erschienen. Wir Vorsitzende des BHLVs waren viele Tage damit beschäftigt, Presse, Funk und Fernsehen zur Verfügung zu stehen. Wir bedanken uns an dieser Stelle auch für die Mitarbeit von allen Hebammen, die für Interviews zu Verfügung standen.


In gemeinsamer Anstrengung werden wir es schaffen, die Versorgung der Familien mit Hebammenhilfe zu erhalten.


Der Vorstand des BHLV.