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IGES-Studie zur Hebammenversorgung in Bayern

 

So wurde die gefühlte Unterversorgung der Wöchnerinnen von den 1346 befragten Müttern nicht in dem Maß bestätigt, wie wir vermuteten. Nur 5 % der Wöchnerinnen haben keine aufsuchende Wochenbettbetreuung erhalten. Regional gibt es hier große Unterschiede und natürlich ist München von der Unterversorgung am meisten betroffen. In der Studie wurde wieder deutlich, dass viele Frauen mehrere Hebammen vergeblich anrufen müssen, um eine Hebamme zu finden, die die Betreuung übernimmt. Das Problem ließe sich abmildern, wenn die Homepage www.hebammensuche.bayern in ganz Bayern genutzt würde. Hebammen können dort ihre Verfügbarkeit regelmäßig selbst einpflegen. Deswegen noch mal der Aufruf an alle Hebammen, diese kostenlose Homepage zu nutzen.


Wirklich zurücklehnen können wir uns jedoch nicht, weil 80% der Hebammen angaben, dass sie mehr arbeiten, als sie eigentlich möchten und in Zukunft ihr Angebot teilweise einschränken wollen. Da wir weiterhin mit einem Geburtenzuwachs im städtischen Bereich rechnen müssen, wird sich das Problem in den nächsten Jahren verschärfen, wenn nicht dagegen gesteuert wird.


Besonders dramatisch sieht es in der Geburtshilfe aus. 20% der Kolleginnen, die freiberuflich Geburtshilfe angeboten haben, gaben diese in den letzten fünf Jahren auf. Weitere 30% denken daran, sie in Zukunft aufzugeben. Hier müssen dringend die Ursachen angeschaut werden, um dem entgegen zu treten. Bei den angestellten Hebammen bestätigte die IGES Studie die Ergebnisse der DHV Befragung von 2015. Die Kolleginnen betreuen regelmäßig mehr als zwei Frauen gleichzeitig, verbringen 27% ihrer Arbeitszeit mit fachfremden Aufgaben und leisten durchschnittlich 13,5 Überstunden im Monat. Um eine vakante Planstelle zu besetzen, vergehen in der Regel 4,7 Monate. Hier sehen wir die Klinikbetreiber in der Pflicht. Die Arbeitsbedingungen müssen dringend verbessert werden, Stellen rechtzeitig ausgeschrieben werden und Hilfskräfte für nicht Hebammen spezifische Arbeiten eingestellt werden.


Aus unserer Sicht ist es sehr entscheidend, die Ausbildung der Hebammen zügig an die Hochschulen zu überführen. Der momentane Zustand der Unsicherheit über die Zukunft der Ausbildung und deren Anerkennung in der EU, schreckt potentielle Bewerberinnen ab. Die Zugangsvoraussetzungen sind 12 allgemeine Schuljahre. Junge Menschen mit dieser Schulbildung wollen heutzutage studieren und den Bachelor erwerben. Viele nutzen die Möglichkeit zum Studium in anderen Bundesländern und kehren häufig nicht nach Bayern zurück. Das können wir uns nicht leisten. Der BHLV setzt sich für eine hochschulische Ausbildung der Hebammen mit aller Kraft ein und fordert eine zeitnahe Umstellung der Hebammenausbildung von der Berufsfachschule an die Hochschule. Unsere Podiums-diskussion am 19. September wird sich schwerpunktmäßig mit diesem Thema befassen.


Sehr gefreut haben wir uns über die Ergebnisse der Mütterbefragung. Rund 90 % der Befragten waren mit der Betreuung durch die Hebammen zufrieden oder sehr zufrieden. Darauf können wir stolz sein. Das ist sehr wichtig für unsere politische Arbeit. Nur wenn wir die Unterstützung der Familien haben, können wir Veränderungen erreichen.

Astrid Giesen und Susanne Weyherter


Die vollständigen Ergebnisse der IGES Studie finden Sie hier:

 

IGES_Kurzfassung_Hebammenversorgung_2018-07-16_01

 

IGES_Bericht_Hebammenversrogung_2018-07-16

 

Außerdem eine Pressemeldung dazu vom Bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege:

2018-8 Pressemitteilung Ministerium